"Das mache ich doch mit links" sagt man über Sachen, die man besonders einfach findet. Ungefähr 20 Prozent der Deutschen können den Spruch auf alle ihre Handlungen anwenden. "Denn so viele Menschen sind Linkshänder", sagt Sylvia Weber, Psychotherapeutin aus Markt Inderdorf, die sich auf Linkshänderberatung spezialisiert hat. Einige Schätzungen kommen auch zu niedrigeren Zahlen – ein möglicher Grund: Manchmal wird nur nach der bevorzugten Schreibhand gefragt, die Händigkeit aber nicht wirklich getestet.
Warum ist bei dem einen die rechte Hand stärker, beim nächsten die linke? "Unser Gehirn ist zweigeteilt. Die rechte Hälfte ist für die Steuerung der linken Körperseite zuständig und umgekehrt. "Bei Linkshändern ist meist die rechte Hirnhälfte etwas dominanter", erklärt Weber.
Da sind wir auch schon bei dem Punkt, weshalb man den Linkshändern oft besondere Fähigkeiten nachsagt. Zum Beispiel eine ausgeprägt Kreativität oder Sensibilität. Oft wird es dadurch erklärt, dass die rechte Hirnhälfte diejenige ist, die für die musischen Dinge zuständig ist.
"Aber so einfach ist das alles nicht", so Weber. "Unser Gehirn ist viel zu komplex, um eine derartige Vereinfachung möglich zu machen." Es gibt zum Beispiel auch kreative Rechtshänder, bei denen dieser Anteil des Gehirns sehr ausgeprägt ist, die aber trotzdem eine starke Rechte haben.
Links- und Rechtshänder sind also gleich klug, begabt oder sensibel. Beziehungsweise gibt es noch keine Forschungsergebnisse, die das Gegenteil beweisen. Früher glaubte man, Linkshänder seien häufiger Legastheniker, aber auch diese Studien konnten mittlerweile widerlegt werden. Wahrscheinlich lag es daran, dass man früher noch viele Kinder umerzogen hat – von links nach rechts. "Diese Maßnahme führt zu Fehlleistungen im Gehirn und somit oft zu Problemen beim Lernen", warnt Weber.
Seit 30 Jahren forschen kluge Köpfe verstärkt auf dem Gebiet der Linkshändigkeit. Und seit zehn bis 20 Jahren ist das Umschulen zunehmend eingestellt worden. "Es hat sich herausgestellt, dass ein Linkshänder dem Rechtshänder gegenüber keine physischen Nachteile hat, es sei denn er wird umgeschult", erklärt unsere Expertin.
Ein wichtiger Punkt ist die Ausrüstung und Unterstützung der Linkshändigen. "Kinder brauchen von Anfang an eine gute Schulung, zum Beispiel was die Schreibhaltung angeht", so die Expertin. Da die meisten Menschen rechts gepolt sind, können die kleinen Links-Pfoten nicht einfach durch Abgucken bestimmte Verhaltensmuster lernen. Ganz im Gegenteil, dadurch kommt es sogar heute noch dazu, dass Menschen mit der "falschen" Seite arbeiten – einfach weil sie es unbewusst von Eltern und Freunden so übernommen haben.
Linkshänder müssen Messer und Gabel vertauschen und das Glas links neben den Teller stellen. Ihre Schubladen am Schreibtisch sollten sich links befinden. Und auch ihr Equipment ist andersherum, beispielsweise Spitzer, Scheren und Gemüseschäler. Mit dem Werkzeug für Rechtshänder tun sie sich schwer.
"Beim Thema Linkshänder besteht noch ein enormer Forschungsbedarf", findet Weber. Die Psychologin wurde selber als Kind umgeschult und weiß daher, mit welchen Schwierigkeiten die Betroffenen zu kämpfen haben. Inzwischen arbeitet sie wieder mit links und hat diesen Schritt als sehr befreiend empfunden.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
23.02.2012
Bildnachweis: F1 online/AGE
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